Einen Welpen nach Hause zu holen, ist einer der schönsten – und anspruchsvollsten – Momente für alle, die Hunde lieben. Diese ersten Monate bestehen aber nicht nur aus Schmusen: Sie sind das Zeitfenster, in dem dein Welpe lernt, wie die Welt funktioniert und wie er sich darin verhält. Wenn du ihn von Anfang an gut erziehst, mit Freundlichkeit und Konsequenz, beugst du den meisten Verhaltensproblemen im Erwachsenenalter vor und baust eine Vertrauensbeziehung auf, die ein Leben lang hält.
Dieser Leitfaden hat nur ein Schlüsselwort: Konsequenz. Ein Welpe kann die Regeln nicht verstehen, wenn sie sich von Tag zu Tag ändern oder wenn sie für ein Familienmitglied gelten, für die anderen aber nicht. Einigt euch zu Hause darauf, was erlaubt ist und was nicht, und haltet diese Linie dann geduldig ein.
Ein Welpe fühlt sich sicher, wenn seine Umgebung vorhersehbar ist. Deshalb legst du deine Hausregeln am besten sofort fest und wendest sie vom ersten Tag an an – nicht erst, „wenn er älter ist": Die Gewohnheiten, die er als Welpe entwickelt, sind die, die bleiben.
Die wirksamste und respektvollste Erziehungsmethode ist die positive Verstärkung: Du belohnst das gewünschte Verhalten, statt Fehler zu bestrafen. Wenn dein Welpe etwas richtig macht – sich setzt, auf Zuruf kommt, sein Geschäft draussen erledigt –, belohne ihn sofort mit einem Leckerli, einer Streicheleinheit oder einer fröhlichen Stimme. Die Belohnung muss innerhalb weniger Sekunden erfolgen, damit dein Hund die Handlung klar mit der Belohnung verknüpft.
Körperliche Bestrafung oder Anschreien wirkt dagegen kontraproduktiv: Es erzeugt Angst und Unsicherheit, schadet eurer Beziehung und verschlimmert oft genau die Verhaltensweisen, die du korrigieren möchtest. Ein verängstigter Welpe lernt nicht besser – er lernt nur, sich zu fürchten. Wenn er etwas falsch macht, besteht der richtige Weg darin, das unerwünschte Verhalten (wenn möglich) zu ignorieren und ihn zum richtigen hinzulenken.
Als Belohnung eignet sich alles, was dein Welpe wirklich lecker findet: spezielle Leckerlis, aber auch kleine Stücke von gesundem, schmackhaftem Futter. Eine praktische Möglichkeit ist es, etwas von seiner fleischbasierten Mahlzeit – zum Beispiel ein Monoprotein-Rezept wie die von Pappa Fresh – als besonders wertvolle Belohnung beim Training zu nutzen. Denke daran, sie von seiner Tagesration abzuziehen, damit du es mit den Kalorien nicht übertreibst.
Wenn es etwas gibt, das man nicht aufschieben sollte, dann ist es die Sozialisierung. Die ersten Wochen und Monate sind die Zeit, in der ein Welpe am empfänglichsten für Neues ist: Positive Erfahrungen jetzt sorgen für einen ausgeglichenen, selbstsicheren erwachsenen Hund; fehlender Kontakt hingegen ist eine der Hauptursachen für Ängstlichkeit und Reaktivität im Erwachsenenalter.
Sozialisieren bedeutet, deinen Welpen schrittweise und ruhig an die Welt heranzuführen: verschiedene Menschen, andere gesunde und ausgeglichene Hunde, Stadtgeräusche, Untergründe, Fahrzeuge, Alltagssituationen. Das Ziel ist nicht, ihm „alles auf einmal zuzumuten", sondern ihm positive, nicht traumatische Erfahrungen zu ermöglichen – in seinem Tempo und ohne ihn je zu zwingen. Ein praktischer Tipp: Hab immer ein paar Leckerlis dabei und verbinde alles Neue mit etwas Angenehmem.
Zwei Klassiker der ersten Monate: das Lösen und die Ruhe.
Bei der Stubenreinheit lautet die Regel: Vorhersehbarkeit. Welpen müssen sehr oft „raus", vor allem nach dem Aufwachen, nach dem Fressen, nach dem Spielen und vor dem Schlafengehen. Bring deinen Welpen immer an dieselbe Stelle nach draussen und belohne ihn sofort, wenn er sich dort löst. Missgeschicke in der Wohnung sind am Anfang unvermeidlich: Beseitige sie ohne grosses Aufheben und ohne deinen Hund zu schimpfen – in diesem Alter tut er es nicht aus Trotz.
Die Box (oder Transportbox) sollte sein sicherer Rückzugsort werden, niemals ein Ort der Bestrafung. Bring deinem Welpen bei, freiwillig hineinzugehen, indem du sie mit schönen Dingen verbindest: einem Leckerli, einem Spielzeug, ruhigen Momenten. Ein Hund, der seine eigene Box liebt, kommt besser mit dem Alleinsein und dem Ausruhen zurecht und übersteht Reisen und Tierarztbesuche gelassener.
In Hände und Kleidung zu zwicken, ist völlig normal: Ein Welpe erkundet mit dem Maul und bekommt mit etwa 3-6 Monaten seine Zähne. Das Ziel ist nicht, ihm das Beissen abzugewöhnen, sondern ihm beizubringen, worin er beissen darf. Wenn diese kleinen Zähne deine Haut treffen, unterbrich das Spiel kurz und biete ihm sofort eine passende Alternative an, zum Beispiel ein Kauspielzeug. So lernt er die „Beisshemmung" und wohin er das Kaubedürfnis lenken kann.
Verwende zum Toben niemals deine Hände: Du riskierst, ihm beizubringen, dass Hände eine Beute sind, in die man beisst. Besser lenkst du diese Energie in strukturierte Spiele – Apportieren, das Suchen versteckter Leckerlis, einfache Übungen –, die nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf auslasten.
Die ersten Signale (Sitz, Komm, Bleib) bringst du in kurzen, häufigen Einheiten bei: ein paar Minuten mehrmals am Tag wirken viel besser als eine lange Lektion, die deinen Welpen langweilt. Verwende klare Wörter, die immer gleich bleiben, belohne jeden Erfolg und höre stets mit einem Erfolgserlebnis auf, solange dein Hund noch interessiert ist.
Denk daran, dass Kommunikation auch emotional ist: Ein Welpe liest deinen Tonfall und deine Körpersprache wunderbar. Ruhe, Geduld und Konsequenz sind mehr wert als jede Technik. Erziehung braucht Zeit, aber das Ergebnis – ein ruhiger, ausgeglichener Hund, der dir vertraut – macht jede investierte Minute wett.
Einen Welpen in den ersten Monaten zu erziehen bedeutet: vom ersten Tag an konsequente Regeln aufstellen, positive Verstärkung statt Bestrafung einsetzen, der ruhigen Sozialisierung absolute Priorität geben, geduldig Stubenreinheit, Box und Umgang mit dem Beissen üben und Grundsignale in kurzen, fröhlichen Einheiten einführen. Mit Freundlichkeit und Konsequenz legst du das Fundament für eine Vertrauensbeziehung, die das ganze Hundeleben lang hält.
Tierarzt und ärztlicher Leiter der Clinica ARS Veterinaria di Modena. Er beschäftigt sich täglich mit Hundeernährung, Vorsorge und Wohlbefinden, mit besonderem Fokus auf Futtermittelunverträglichkeiten und Gewichtsmanagement.
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